DMEA 2019: DGTelemed-Experten referieren zu „Interoperabilität in der Telemedizin“

11. April 2019 | Kategorien: Allgemein

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V.l.n.r.: Alexander Ihls, IHE International, Rainer Beckers, ZTG, Dr. Dietmar Bayer, ÖGTelemed, Dr. Franz Bartmann, DGTelemed, und Marcus Beck, TIANI Spirit Deutschland, nach der DGTelemed-Session auf der DMEA 2019. (Foto: ZTG GmbH)

Berlin, 11. April 2019 – Unter dem Motto „Interoperabilität in der Telemedizin“ veranstaltete die DGTelemed gemeinsam mit dem ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin am Dienstag, den 9. April 2019, eine Networking Session auf der Gesundheits- und Medizintechnikmesse DMEA (ehemals conhIT) und diskutierte gemeinsam mit ausgewählten Experten aktuelle Entwicklungen und Lösungswege rund um die Themen Interoperabilität und Standardisierung im digitalen Gesundheitswesen. Dabei wurde auch ein Positionspapier  präsentiert, das die DGTelemed in Zusammenarbeit mit dem ZTG erarbeitet hat und das Handlungsempfehlungen zur Festlegung von Interoperabilitätsstandards für alle telemedizinischen Anwendungen beinhaltet. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. med. Franz Bartmann, ehem. Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Sprecher des Landesverbandes Nord der DGTelemed.

Den Auftakt zur Session machte Dr. Dietmar Bayer, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Telemedizin (ÖGTelemed), mit seinem Vortrag zum aktuellen Stand der Entwicklung von Interoperabilität in Österreich. Bayer betonte, wie wichtig die vernetzte Arbeit über Ländergrenzen hinaus sei: „Es lohnt sich, einen Blick auf die Lösungsmodelle von Nachbarländern zu werfen und gemeinsame technische Standards zu avisieren, so dass letztlich das Ziel ist, Patienten sektoren- und länderübergreifend eine kompetente und zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung zu bieten. Dafür fordern wir den weiteren Ausbau der Telematikinfrastruktur unter Einbeziehen aller Stakeholder der jeweiligen Standardisierungsorganisationen“.  

Die Kompatibilität zwischen den beteiligten IT-Systemen sei dringende Voraussetzung für einen funktionierenden Datenaustausch und optimalen Ablauf der Patientenbehandlung, so Alexander Ihls, Member at-large/IHE International Board und Vorstandsmitglied Arbeitskreis E-Health im Digitalverband bitkom. „Standardisierung ist das Thema, das wir uns alle auf die Fahnen schreiben müssen. Als Standards sollten dabei ausschließlich international bereits etablierte Formate und Integrationsprofile zum Einsatz kommen“, betonte er. „In anderen Ländern wurden dafür frühzeitig Regulationen geschaffen, an denen es in Deutschland noch mangelt. Wir brauchen eine Initiative des Gesetzgebers, um die Interoperabilität im Gesundheitswesen so voranzutreiben, dass Deutschland den Anschluss nicht noch mehr verliert.“  

Dr. med. Franz Bartmann bekräftigte: „Wenn wir das digitale Gesundheitswesen in einem zukunftssicheren Rahmen etablieren wollen, müssen wir verstärkt auf sektorenübergreifende Vernetzung bauen, auch außerhalb der Landesgrenzen. Ziel sollte sein, Patienten eine sichere und länderübergreifende telemedizinisch gestützte Versorgung zu gewährleisten. Und das geht nur mit einheitlichen Standards und einer umfassenden Telematikinfrastruktur.“

„Dass telemedizinische Anwendungen einen wichtigen Beitrag für die Gesundheitsversorgung leisten, liegt auf der Hand. Die intersektorale Vernetzung im Rahmen der Telemedizin ermöglicht u. a. sofortigen Zugriff auf lebenswichtige Gesundheitsdaten sowie vernetztes Arbeiten von Fachärzten unterschiedlicher Disziplinen. Zum Beispiel gewinnt die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus- und Fachärzten immer mehr an Bedeutung, aber auch der Patient teilt gesundheitsbezogene Informationen. Es ist an der Zeit, international akzeptierte Standards zu nutzen. Interoperabilität ist die Basis für eine bessere Medizin“, sagte Marcus Beck, TIANI Spirit Deutschland GmbH.

Rainer Beckers, DGTelemed-Vorstandsmitglied und ZTG-Geschäftsführer, wies bei der Präsentation des gemeinsamen Positionspapiers von DGTelemed und ZTG darauf hin, dass derzeit noch zu viele unterschiedliche herstellereigene Datenformate im Umlauf seien. „Um sich gegenseitig behindernde Parallelsysteme auszuhebeln, müssen kurzfristig geeignete technische und ökonomische Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Weiterverarbeitung medizinischer Daten sollte herstellerunabhängig möglich sein. DGTelemed und ZTG empfehlen daher, eine Regelung zu schaffen, die Hersteller verpflichtet, die verwendeten Datenformate offenzulegen. Letztlich profitieren davon alle Akteure der digitalen Gesundheitsversorgung“, so Beckers.