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Geschäftsmodell


Neben der technischen Umsetzung und der praktischen Gestaltung aus Sicht der künftigen Anwender ist auch die Finanzierung bei dieser Form der Pflegeunterstützung eine zentrale und angesichts des komplexen Gesundheitswesens auf den ersten Blick scheinbar unlösbare Frage. In der gesamten Gesundheitstelematik stoßen die Akteure auf Regulierungen, die aus-schließlich „klassische“ Versorgungsprozesse zum Vorbild haben.

Um jedoch den sich selbst verstärkenden Prozess zwischen hohen Kosten einerseits und mangelnder Verbreitung andererseits zu durchbrechen, ist eine legitimierte und zumindest teilweise sozial finanzierte pflegetelematische und telemedizinische Leistungserbringung erforderlich. Nachfolgend soll deshalb eine Argumentation für die Pflege entwickelt werden.

Der Kern der Botschaft ist, dass es zum einen eine kongruente Zielstellung zwischen den Auf-gaben der Pflegeversicherung und den Möglichkeiten der Pflegetelematik gibt. Zum anderen wäre aber selbst eine teilweise Finanzierung aus den Mitteln der Pflegeversicherung nicht aus-reichend, da Geschäftsmodelle neue organisatorische Netzwerke benötigen.

Die Pflegeversicherung als tragende Säule für die Sicherstellung der pflegerischen Grund-versorgung umgrenzt die Pflegebedürftigkeit als signifikante Einschränkung bei den Verrichtungen des täglichen Lebens (§ 14 SGB XI). Die damit gemeinten Einschränkungen sind die Folge von körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheiten und Behinderungen, die medizinisch nicht weiter therapierbar sind, so dass ein dauerhafter Pflegebedarf nötig ist.
Die von der Pflegeversicherung finanzierten Leistungen dienen entsprechend dem Ausgleich dieser Einschränkungen. Im Einzelnen sind dies Hilfestellungen bei der Körperpflege, Ernährung, Mobilität und bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Demzufolge wäre aus Sicht der Planung und Steuerung des Leistungseinsatzes ein Monitoring der gegebenen Einschränkungen von entscheidender Bedeutung, um z. B.

  • die Wirksamkeit der geleisteten Pflege objektiver und zeitnäher zu beurteilen,
  • ein geänderter Pflegebedarf frühzeitiger zu erkennen und so
  • Verschlechterungsprozesse deutlich zu verlangsamen.

Es sollte deshalb eine Diskussion darüber geführt werden, ob diese Form der Pflegeunterstützung u. a. in der Pflegeversicherung ihre Berücksichtigung finden kann.

Zentral: Die Netzwerkbildung

Die ZTG GmbH betrachtet die Geschäftsmodellentwicklung für die beschriebene Form der Pflegebetreuung vorrangig als eine organisatorische Netzwerkbildung. Diejenigen Akteure, die den Nutzen realisieren, sollten in einem funktionierenden Netzwerk ihren Rollen entsprechend zusammenwirken und sich im Idealfall auch an der Finanzierung beteiligen. Aufgrund ihrer neutralen Stellung als Public Private Partnership genießt die ZTG GmbH das nötige Vertrauen, um hierbei die jeweiligen Strategien und Optionen auszuloten, zu vermitteln und in ein ökonomisches Gesamtkonzept zu integrieren.

Für die Inanspruchnahme der gesundheitstelematisch unterstützen Pflege kommen verschiedene Finanzierungsquellen aufgrund des Nutzerkreises in Frage.

  • Pflegebedürftige und ihre Angehörigen: Beide gewinnen durch die beschriebenen Dienstleistungen mehr Autonomie und werden zeitlich und finanziell entlastet. So können stationäre Aufenthalte reduziert werden, was mögliche Eigenbeiträge verhindert.
  • Soziale Pflegeversicherung: Der vom Gesetzgeber geforderte Grundsatz ambulant vor stationär wird in diesen Konzepten umgesetzt. Denkbar wäre deshalb eine Unterstützung smarter Technologie als Maßnahme der Wohnraumanpassung. Hier sind aber Erprobungen und umfangreiche Abstimmungsprozesse noch erforderlich.
  • Krankenhäuser: Die poststationäre telemedizinische und pflegerische Versorgung führt zu kürzeren Verweildauern. Die eingesparten Ressourcen könnten teilweise für den Betrieb der Serviceeinheiten verwendet werden.
  • Wohnungswirtschaft: Die Wohnungswirtschaft kann ihr Produkt „Wohnen“ deutlich bedarfsgerechter auf ihre Kunden abstimmen und so aufwerten und ihre Mieter binden. Angesichts der demographischen Entwicklung spielt dabei der gesundheitliche Nutzen smarter Technologien eine wesentliche Rolle.

Das dargestellte Konzept gesundheitstelematisch unterstützter Pflege dürfte angesichts der kommenden Herausforderungen im Gesundheitswesen und der gesellschaftlichen Entwicklungen ein wirkungsvolles Werkzeug für eine zukunftsfähige, menschenwürdige und für jedermann zugängliche Betreuung darstellen.


 :: letzte Änderung: 05.08.2008