Rückblick EPA-Symposium 2009


Highlights des EPA-Symposiums 2009

Workshop mit Experten
Die einrichtungsübergreifenden elektronische Patientenakte gilt als Kernelement eines modernen Gesundheitswesens. Sie ermöglicht die Dokumentation und Kommunikation von einrichtungsübergreifenden, behandlungsrelevanten Patienteninformationen. Ihr weitreichendes Potential stellt für alle Beteiligten einen hohen Anreiz dar. So arbeiten Industrie, Wissenschaft, Krankenkassen und Verbände zusammen an ihrer Realisierung. Um effiziente Lösungen für die noch offenen Projektschritte zu erzielen, lud die ZTG GmbH am 8. Oktober 2009 renommierte Referenten, Moderatoren und Fachleute zum EPA Symposium nach Bochum ein.
Die Veranstaltung rückte insbesondere vier Themen in Vordergrund: Verteilungsaspekte, Datenschutz, Aktenmoderation und Finanzierung mit ihren jeweiligen Konsequenzen.
Die Moderation des ganztägigen Symposiums führten Prof. Dr. Peter Haas, Professor für Medizinische Informatik an der Fachhochschule Dortmund, und Phillip Grätzel von Grätz, Journalist.
Mit Impulsreferaten wurden die vier Themenschwerpunkte jeweils eröffnet und fassten die aktuellen Anforderungen und Entwicklungen zusammen. Anschließend waren die Teilnehmer zur offenen Diskussion eingeladen. Der interaktive Veranstaltungscharakter führte zum regen Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Gemeinsam konnten neue Aspekte erarbeitet und Lösungsansätze für offene Fragen skizziert werden.

Voraussetzungen für europaweites Geschäft

Alexander Ihls (IntercomponentWare AG) und Jan Neuhaus (Fraunhofer Institut für Software- und Systemtechnik) regten mit ihrem Vortrag zum Thema Verteilungsaspekte die Diskussion um die bestehenden bzw. zu implementierenden Standards an. Hierbei wurde deutlich, dass die Orientierung an europäischen Standards sinnvoll ist, da sie die Voraussetzung dafür bieten, das Geschäft mit der einrichtungsübergreifenden elektronischen Patientenakte auf andere Länder außerhalb Deutschlands auszubreiten.

Kryptographie ist Lösung für Datenschutzanforderungen

Einen Einblick in die komplexen und vielschichten Anforderungen des Datenschutzes gaben Jürgen Engels, Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW, und Prof. Dr. Peter Haas (Fachhochschule Dortmund). Engels räumte dabei mit dem Vorurteil auf, dass der Datenschutz bei elektronischen Kommunikationssystemen eine deutlich höhere Hürde zu nehmen habe als bei konventioneller papierbasierter Kommunikation. Er erläuterte, dass beide auf denselben Gesetzen basieren, aber in der elektronischen Kommunikation keine alternative Technologie zu Kryptographie bestehe. Sie sei derzeit die einzige Möglichkeit, die Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit einer elektronischen Patientenakte zu gewährleisten. Auf die Frage nach der Möglichkeit, eine elektronische Patientenakte treuhänderisch führen zu lassen, verwies Prof. Haas auf die gesetzlichen Regelungen des Datenschutzes: Jeder einzelne Vorgang müsste vom Patienten bewilligt werden, da eine pauschale Einwilligung derzeit unzulässig ist. Dies könne nur durch eine Gesetzänderung möglich gemacht werden oder durch ausdrückliche Einwilligung des Patienten. Bei einer solchen Änderung müssten jedoch auch die Regelungen zur Schweigepflicht (Strafgesetzbuch) beachtet werden. Grundsätzlich müsse noch die Verantwortlichkeit bezüglich der Aktenmoderation der EPA geklärt werden, ergänzte Prof. Haas. Bisher sei auch noch keine Person benannt, an die sich der Patient bei Rechtsfragen wenden kann, wenn es keinen offiziellen Moderator seiner Akte gibt.

Wirtschaftlichkeit als Voraussetzung für Finanzierung

Bezüglich der Finanzierungsfrage elektronischer Patientenakten stellte Christian Bauer (Knappschaft Bahn See) das Konzept des Projektes prospeGKT vor, die erste elektronische Patientenakte in Deutschland, die auch mit Krankenhausärzten vernetzt ist. Anhand dieses Beispiels zeigte sich, dass die Krankenkassen bereit sind, die Finanzierung einer EPA zu übernehmen, wenn ihre Wirtschaftlichkeit sichergestellt sei: Längerfristig müsse sie dazu beitragen, Kosten zu reduzieren und Ärzte zu entlasten.

Zahlreiche Besucher lauschten den Vorträgen der Referenten zu den unterschiedlichen Themenbereichen.

Das diesjährige EPA_symposium war in die folgenden Themenbereiche eingeteilt:
- Verteilungsaspekte und Konsequenzen
- Datenschutz und Konsequenzen
- Aktenmoderation und Konsequenzen und
- Finanzierung und Konsequenzen

In den Pausen konnten sich die Teilnehmer austauschen und ihre Gespräche in Bezug auf die verschiedenen Themenbereiche vertiefen.

Die Podiumsteilnehmer haben den Interaktionsprozess mit ihren qualifizierten Diskussionen angestoßen.

Die Moderation, bestehend aus Herrn Prof. Dr. Haas und Herr Grätzel von Grätz, führte durch das Programm.


 :: letzte Änderung: 16.12.2009