Fachkongress zeigt neue Wege der Gesundheitswirtschaft durch Aufbau einer Telematik-Infrastruktur
Annähernd 500 interessierte Fachbesucher aus ganz Deutschland trafen sich am 9. und 10. September 2009 in Essen zur IT-Trends Medizin / Health Telematics, einem der zentralen ITFachkongresse für das Gesundheitswesen. In der ausgebuchten Begleitausstellung präsentierten über 20 Aussteller ihre IT-Produkte und Dienstleistungen. Insbesondere der unmittelbar bevorstehende Basis-Rollout der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in der Region Nordrhein ab dem 01.10.2009 prägte die inhaltlichen Diskurse. Ein Highlight war die
lebhafte Podiumsdiskussion zwischen Experten und Kongressteilnehmern rund um das Thema eGK. Viele Missverständnisse konnten ausgeräumt werden und Herausforderungen wurden sichtbar.
Ministerium verspricht stärkere Einbeziehung der Ärzte
Für die Akzeptanz der Karte und eine erfolgreiche Fortsetzung der Tests der elektronischen Gesundheitskarte sei es unbedingt notwendig, die Ärzteschaft stärker mit einzubeziehen, so der Tenor der Podiumsdiskussion und der zahlreichen Teilnehmer-Beiträge. Die bisherigen öffentlichen Diskussionen um die eGK seien zu stark auf technische Aspekte fokussiert und ohne die Betroffenen, d.h. die Ärzte geführt worden. Das Ziel der eGK, in Zukunft eine Spitzenmedizin zu ermöglichen, die Ärzten mehr Zeit für Patienten einräumt und sie von Routinearbeiten entlastet, sei dabei in den Hintergrund gerückt. Ministerialrat Mathias Redders (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen) betonte hinsichtlich der geäußerten Kritik, dass mit der Einrichtung eines ärztlichen Beirats hier bereits erste Maßnahmen ergriffen wurden. Der ärztliche Beirat soll die weiteren Testungen der medizinischen eGK-Anwendungen begleiten und bewerten, um eine realistische Einschätzung der Praxistauglichkeit zu gewähren. „Die entscheidende Anwendung für die Akzeptanz der eGK wird der eArztbrief sein“, prognostizierte Redders. Mit dieser Anwendung würde der Nutzen der Telematik-Infrastruktur für alle Beteiligten spürbar werden. Laut den Plänen der Betriebsgesellschaft gematik beginnen im ersten Quartal 2010 die Testungen der Online-Funktionalität der eGK in den Testregionen. Der eArztbrief soll Bestandteil dieser Testphase sein. Die Stadt Essen ist zudem als Region für den Massetest (100.00er Test) vorgesehen. „Das Angebot, an diesem Test teilzunehmen, möchten wir an alle Essener Arztpraxen richten“, so Redders.
Richard Zimmer, Staatssekretär a.D. und Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, machte deutlich, dass es keine Alternative zur eGK gäbe. Hinsichtlich der rund 800 Millionen Euro an unnötigen Verwaltungskosten sei es an der Zeit, Wirtschaftlichkeitsreserven zu erschließen. Dass die eGK alleine keinen großen Nutzen aus Sicht der Krankenhäuser habe, kam dabei in den Beiträgen verschiedener Foren zur Sprache. Erst mit ihren Mehrwertdiensten könne die Karte ihr volles Potenzial entwickeln und zur Effizienz des Versorgungsystems beitragen. Heiner Vogelsang (Techniker Krankenkasse) erinnerte daran, dass die bisherige Krankenversicherungskarte (KVK) nicht mehr auf der Höhe der Zeit sei. Durch Missbrauch der leicht manipulierbaren KVK seien bereits Schäden in Höhe von einer Milliarde Euro entstanden. Bisher sei es nicht möglich, verlorene Karten einzuziehen oder zu sperren. Außerdem müssten jedes Jahr 1,5 Mio Karten geschreddert werden, weil sich Stammdaten der Versicherten geändert hätten. Dieses Problem würde durch die Online-Aktualisierung der Daten auf der eGK behoben. Die Prozessoptimierung und IT-Unterstützung entlang der Versorgungskette inklusive der Kostenträger entpuppte sich als Kernthema aller Diskussionen im Rahmen der Innovationen in der Gesundheitsversorgung. Die stärkere Vernetzung und Kooperation in der medizinischen Versorgung könne jedoch nur mithilfe einer transparenten Diskussion und Einbeziehung aller Betroffenen gelingen – so das Fazit der Kongress-Teilnehmer.
Der elektronische (Heil-)Berufsausweis
Neben den Kongressvorträgen rundeten die Fachforen der GMDS-Arbeitsgruppe „Informationsverarbeitung in der Pflege“ und der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen das Kongressprogramm ab. Als Vertretung von rund 432 nordrhein-westfälischen Krankenhäusern gestaltete die KGNW in diesem Jahr den ersten Krankenhaus IT-Tag. Entscheider, Ärzte und IT-Fachkräfte in Krankenhäusern sowie mit Krankenhäusern kooperierende Unternehmen wurden in diesem Forum über die wachsende Bedeutung der institutionsübergreifenden Kommunikation und Datenverarbeitung informiert. Das Forum der GMDS richtete seinen Fokus darauf, welche Veränderungen die Telematik-Infrastruktur insbesondere für Pflegekräfte, Therapeuten, Hebammen, Heilpraktiker und andere Gesundheitsdienstleister mit sich bringen wird. Um die Telematik-Infrastruktur nutzen zu können, benötigen Ärzte sowie die genannten Berufsgruppen einen elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) bzw. Berufsausweis (eBA). Der eHBA bzw. der eBA authentifiziert und identifiziert die Akteure des Gesundheitswesens gegenüber der Public Key Infrastructure (PKI), wodurch ein Zugriff auf die Daten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ermöglicht wird. Darüber hinaus ermöglichen die Heilberufsausweise eine qualifizierte elektronische Signatur. Diese soll ab dem 01.01.2010 für Ärzte bei der Abrechnung verbindlich sein. Die Einführung von elektronischen Heil- und Hilfsmittelrezepten ist ab 2012 zu erwarten. Die hohe Bedeutung der Gesundheitsfachberufe und die Notwendigkeit der Berufsausweise müsse klar erkannt werden. Durch die Ärzteknappheit kämen diese Berufe organisatorisch auf eine Ebene mit den Ärzten. Die Regelungshoheit für den eHBA/eBA liegt jedoch bei den einzelnen Ländern. Sie bestimmen die berufsbestätigenden Stellen und ZDA (Signatur-Trustcenter). Das elektronische Gesundheitsberuferegister (eGBR) soll in erster Linie eine Registerfunktion erfüllen. Dr. Jürgen
Faltin, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz, erklärte, dass nach aktuellem Stand eine zentrale Registrierung im eGBR angedacht sei. Die Bildbeschaffung und die Identitätsbestätigung stellten dagegen noch offene Fragen dar.
Das eGBR auf dem Gesundheitscampus Nordrhein-Westfalen
Während bereits Strukturen für die Ausgabe der HBA an die verkammerten Berufe geschaffen wurden, müssen diese für die Heilberufsausweise der nicht-verkammerten Gesundheitsberufe noch aufgebaut werden. Nach Beschluss der 82. Gesundheitsministerkonferenz im Juni 2009 wird Nordrhein-Westfalen Standort des künftigen länderübergreifenden elektronischen Gesundheitsberuferegisters (eGBR). Es soll Bestandteil des Gesundheitscampus Nordrhein-Westfalen in Bochum werden. Andreas Meyer-Falcke, Leiter des Strategiezentrums Gesundheit und zuständig für den Aufbau des Gesundheitscampus, stellte die Kontur des Gesundheitscampus auf der IT-Trends Medizin / Health Telematics vor: „Die nordrheinwestfälische Landesregierung will das Ruhrgebiet zu einem Zentrum von Forschung und Lehre im Gesundheitsbereich machen. Das Ziel ist, eine Marke Gesundheit in Nordrhein-Westfalen zu entwickeln.“ Auf dem Gesundheitscampus sollen unter anderem das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ZTG), das Kompetenzzentrum Gesundheit NRW und eine Fachhochschule für Gesundheitsberufe angesiedelt werden. Auch das Landesinstitut für
Gesundheit und Arbeit und das Epidemiologische Krebsregister sollen dorthin verlagert werden. Langfristiges Ziel ist, den Gesundheitscampus zu einem Netzwerk europäischer Gesundheits- und Technologieinstitute zu entwickeln.
Begleitausstellung und Networking
Die Begleitausstellung des Fachkongresses bot den Besuchern und Ausstellern Gelegenheit, sich über einzelne Projekte und Entwicklungen im persönlichen Gespräch zu informieren. Auf dem ZTG-Stand konnte ein hoher Informationsbedarf zu telemedizinischen Trends abgedeckt werden. Viele Kongressbesucher erkundigten sich zum Thema Portal-Kliniken und diskutierten Fragen zum Datenschutz und zur Akzeptanz der Telemedizin. Ein hohes Interesse bestand darüber hinaus an den Zertifizierungsangeboten der ZTG (elektronische Archivierung, PACS und HL7). Die gematik präsentierte auf ihrem Stand mit "Versicherter@home" erstmals, wie der Patient Herr seiner Daten auf der eGK sein kann. Über ein Portal seiner Krankenkasse kann der Versicherte mit Hilfe eines Java-Applets und eines einfachen Kartenlesers auf seine eGK zugreifen und beispielsweise eine Änderung seiner Stammdaten veranlassen. Wird der vom Haupt-PIN der Karte unabhängige PIN@home eingetippt, öffnet sich das Datenfach mit dem Zugriffsprotokoll. Auf diese Weise kann der Versicherte kontrollieren, was welcher Arzt (und später Apotheker) mit der Karte gemacht hat. Der fünfte Fachkongress IT-Trends Medizin / Health Telematics in Essen leistete somit erneut einen wichtigen Beitrag zum konstruktiven Dialog von IT-Wirtschaft, Politik und Gesundheitswesen. Im kommenden Jahr findet die Veranstaltung am 8. und 9. September 2010 statt.
Kongress verpasst? Alle freigegebenen Vorträge der IT-Trends Medizin/ Health Telematics 2009
stehen Ihnen auf dieser Seite zum Download zur Verfügung.
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09.-10. September 2009
:: Congress Center Ost der Messe Essen
Für die nächste IT-Trends Medizin am 9. und 10. September 2009 gibt es bereits besondere Pläne: Die 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie wird vom 7. bis 10. September in Essen Station machen. Vergünstigte Konditionen für die Teilnehmer beider Kongresse sowie ein gemeinsames Programm am 9. September sind bereits in Planung.
Die IT-Trends Medizin / Health Telematics richtet sich an alle Akteure des Gesundheitswesens, vom Gesetzgeber über Selbstverwaltung und Industrie bis hin zum Anwender.
Im vergangenen Jahr nahmen 650 interessierte Fachbesucher aus ganz Deutschland teil. 30 Unternehmen präsentierten Produkte und Dienstleistungen in der zentralen Begleitausstellung. Namhafte Einrichtungen des Gesundheitswesens, wie die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen sowie die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) bringen sich aktiv in den Kongress ein.
Attraktive Kombitickets möglich...
Vergünstigte Konditionen für die Teilnehmer beider Kongresse sowie ein gemeinsames Programm am 9. September werden angeboten: So erhalten Teilnehmer der GMDS-Jahrestagung bei rechtzeitiger Anmeldung für nur € 39 auch Eintritt zur IT-Trends. Umgekehrt erhalten Besucher die bereits zur IT-Trends angemeldet sind, für nur € 120 Eintritt zur GMDS-Jahrestagung. Die Anmeldungen sind bald über die jeweiligen Webseiten der IT-Trends Medizin Health Telematics, bzw. der GMDS möglich.↵
Eine detaillierte Auflistung der Teilnahmegebühren finden Sie in unserem Kongresshinweisflyer, den wir Ihnen als pdf zum download bereit gestellt haben.
Attraktive Ausstellungs- und Sponsoringmöglichkeiten...
Institutionen, die an einem Stand im Rahmen der Begleitausstellung interessiert sind, können sich bereits jetzt bei uns melden (info@ztg-nrw.de). Ebenso bieten wir Unternehmen einige attraktive Möglichkeiten, als Sponsoren auf dem Kongress präsent zu sein.
Haben Sie Interesse an einem Engegement im Rahmen eines Sponsorings? Sprechen Sie uns an!
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