Rückblick

„Rehabilitation und Pflege zu Hause: Technik für den Menschen“

„Technologieeinsatz zur Unterstützung der häuslichen Gesundheitsvor- und –fürsorge“

Unter diesem Titel konnte das ZTG –Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen mit Sitz in Krefeld, am 16.Oktober 2008 auf der internationalen Fachmesse „REHACARE“ in Düsseldorf eine spannende und vielseitige Vortragsreihe anbieten. Als neutrales Kompetenzzentrum für Pflege und Gesundheitstelematik an der Schnittstelle zwischen Politik, Industrie, Selbstverwaltung und Wissenschaft, bot das ZTG den jeweiligen VertreterInnen aus diesen Bereichen die Möglichkeit, in einen informativen und spannenden Diskurs zu treten, an dem sich auch das interessierte Messepublikum aktiv beteiligte.

e-home-Technologie fördert Patientenzufriedenheit und Lebensqualität…

Die Integration neuer Technologien wird zunehmend ein fester Bestandteil in der häuslichen Gesundheitsvor- und -fürsorge sein, und somit zu einer patientenorientierteren Versorgung, welche ein möglichst selbstbestimmtes Wohnen in allen Lebensphasen fördern soll, beitragen. Es gilt als bekannt, dass pflegebedürftige Menschen sich in ihrer gewohnten Umgebung am wohlsten fühlen, da sie dort am ehesten ein selbstbestimmtes Leben führen können. Um diese Lebensqualität zu sichern, sind e-home-Technologien von immer größerer Bedeutung. Diese Tatsache bezweifeln mittlerweile auch die heftigsten Kritiker von technikunterstützter Gesundheitsversorgung nicht mehr. Fokussiert wurden bei diesem Kongress primär die technischen Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen chronischer Erkrankungen, wie, der chronischen Herzinsuffizienz (CHI), Asthma, Demenzerkrankungen, oder die computergestützte nachstationäre Sprachtherapie von Schlaganfallpatienten. Denn wie Jörg Pelleter von der Deutschen Stiftung für chronisch Kranke eindrücklich darlegt, nimmt aufgrund der demograhischen Entwicklung die Zahl der Menschen, die chronisch krank sind, kontinuierlich zu. Die damit verbundenen ökonomischen Schwierigkeiten, wie häufige Rehospitalisierungen (im Bereich der CHI liegen diese bei ca. 50%), welche oftmals auf erhebliche Defizite im Krankheitsselbstmanagement zurück zu führen sind, haben die Stiftung für chronisch Kranke in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkasse dazu bewogen, telemedizinische Betreuungs- und Schulungsprogramme zu entwickeln. “Telemedizin fürs Herz“ und „Telemedizin Asthma“ sind bereits sehr erfolgreich laufende Projekte im Rahmen integrierter Versorgungskonzepte, welche die Patienten zum selbstständigen Umgang mit ihrer Erkrankung befähigen. Neben dem Erlernen von Selbstmesstechniken wichtiger Vitalparameter und dem regelmäßigen telefonischen Kontakt mit speziell geschultem medizinischem Fachpersonal, besteht eine enge Rückkopplung zum behandelnden, niedergelassenen Arzt, welcher durch regelmäßige Gesundheitsberichte oder direkte Rückmeldungen bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes, jederzeit über „seinen“ Patienten informiert ist. Der bisherige Programmerfolg (z.B. 20% weniger Krankenhausaufenthalte sowie eine leitliniengerechte Arzneimitteltherapie) setzt klare Zeichen für telematisch gestützte Versorgungsprogramme und lässt hoffen, dass auch nach Ablauf der Projektphase, die telemedizinische Betreuung in den Versorgungsalltag der Versicherten der Techniker Krankenkasse implementiert wird. Insbesondere die hohe Patientenzufriedenheit im Rahmen der Telemedizinprojekte deutet darauf hin, dass e-home-Technologien zum Wohlbefinden des Patienten beitragen und somit die Lebensqualität steigern.

Wer soll das bezahlen?

Eine der wichtigsten Fragen und Hürden bei der Einführung sogenannter Ambient-Assistend-Living-Systemen, ist die Kostenfrage. Udo Gaden vom Sozialwerk St. Georg, Gelsenkirchen und der ambient assisted living GmbH konnte in seinem Vortrag sehr eindrücklich über seine Erfahrungen bei der Einrichtung einer Wohngemeinschaft für an Demenz erkrankte Personen berichten. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass „die Konzentration auf Kostenersparnis kontraproduktiv ist!“ Ausschlaggebend für einen erfolgreichen Weg assistiver Technologien zur Sicherung von Selbstbestimmung und Lebensqualität für Menschen mit Demenz ist zunächst eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller beteiligten Personen des Wohnumfeldes. Denn nur eine Technik, welche von den bestehenden Betreuungsprozessen ausgeht und somit personen- und anwendungsorientiert eingesetzt wird, wird langfristig auch effektiv sein können.
In diesen Zusammenhang kann auch der Vortrag von Frau Prof. Hotze der Fachhochschule Osnabrück gestellt werden. Sie setzte sich mit der Frage auseinander, welche Möglichkeiten und Grenzen das Telemonitoring für die Pflegebegutachtung aufzeigt. Eine Chance wäre nach ihren Vorstellungen der Zugriff auf objektive Messwerte wichtiger pflegerelevanter Parameter. Dies könnte dazu beitragen, das Dilemma der diffusen Begutachtungssituation zu vereinfachen und somit die Einstufung in die jeweilige Pflegestufe und die damit verbundene Zuwendung des Pflegegeldes, bedarfsgerechter zu entscheiden. Eine durch Telemonitoring erhobene Datenbasis kann jedoch nicht die face-to-face Kommunikation ersetzten, welche insbesondere von großer Bedeutung ist, wenn es darum geht die individuellen Probleme und Bedürfnisse der Patienten zu erörtern. Frau Prof. Hotze konnte anhand von Beispielen aus der Pflegebegutachtung anschaulich schildern, dass die Gutachtersituation mehr ist, als das bloße Erheben von Zahlen, Daten und Fakten. Sie stellt einen komplizierten Interaktionsprozess dar, in dem teilweise vertrauliche Patientendaten ausgetauscht werden, welche sensibel behandelt werden müssen.

Gesundheitsdaten müssen besonders geschützt werden!

Zu diesem Fazit kommt Dipl.-Inform. Med. Eric Wichterich vom Zentrum für Telematik in Krefeld. In seinem Vortrag zeigt Herr Wichterich auf sehr beeindruckende Weise, dass Datenschutz in der Pflegetelematik kein unmöglicher Spagat ist. Datenschutz ist sogar eine zwingende Voraussetzung für jegliche pflegetelematische Anwendung und für tragfähige Geschäftsmodelle. Dabei ist eine lückenlose Überwachung des Patienten nicht zielführend, wenn es darum geht, die Patientenautonomie im eigenen Zuhause längstmöglich zu erhalten. Vielmehr geht es darum, nur solche Daten zu erheben, die wirklich benötigt werden, d. h. betreuungsrelevant sind. Im Vordergrund steht in diesem Zusammenhang immer das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, denn die Beurteilung der Sinnhaftigkeit des Datenschutzes beginnt beim Patienten selbst. Damit dieser Sinn erkannt wird, muss Datenschutz lt. Herrn Wichterich aktiv gelebt werden. Dies setzt voraus, dass alle an der Versorgung beteiligten Personen die Möglichkeit haben, sich neutral und umfassend zu informieren, denn informationelle Selbstbestimmung setzt die Möglichkeit der neutralen Information voraus.

teleMedizin24.de: vernetzt Denken- selbstbestimmt Handeln

Das Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen hat diese Möglichkeit bereits verwirklicht. Aus ihren vielfältigen Projekterfahrungen aus den Bereichen Telemedizin sowie der Pflege- und Gesundheitstelematik entwickelte das neutrale Kompetenzzentrum für Gesundheits- und Pflegetelematik die in dieser Form einzigartige Internetplattform „teleMedizin24.de“, welche sich sowohl als Informationsplattform, als auch als Serviceplattform versteht. „teleMedizin24.de“ bietet verständliche und umfassende Informationen zu allen Fragen der Telemedizin und der Pflegetelematik, lotst zu telemedizinischen Leistungsanbietern und Herstellern einschlägiger Produkte und verfügt über einen Evidence Center, welcher den aktuellen Forschungsstand der Telemedizin und Telematik ständig aufarbeitet.
Das Zentrum für Telematik hat sich mit der Entwicklung dieser Plattform der Herausforderung gestellt, ein Portal zu öffnen, hinter dem die Telemedizin und Pflegetelematik auf „den Punkt gebracht“ wird Sie kann ein Ausgangspunkt für vielfältige Kontakte und eventuelle sich daraus ergebende neue Geschäftmodelle sein.

Zukunftsmusik…

In der abschließenden Podiumsdiskussion werden die Chancen für die Einführung technologisch gestützter Versorgungsangebote in die Regelversorgung vor dem Hintergrund des geforderten Datenschutzes und der Finanzierungskrise im deutschen Gesundheitswesen noch einmal aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Herr Wichterich berichtet, dass er in der Beratung von Firmen die Notwendigkeit des Datenschutzes bei der Einführung neuer Geschäftmodelle immer noch erläutern muss, die Sensibilität für das Thema jedoch in der Bevölkerung generell aufgrund der Skandale um Datenmissbrauch zugenommen hat. Die Einhaltung und die sinnvolle Anwendung des Datenschutzes ist für alle zukünftigen Geschäftsmodelle ein unverzichtbarer Erfolgfaktor.
Herr Pelleter vertritt die Ansicht, dass die Krankenkassen gegenüber der Einführung telematisch gestützter Versorgungsangebote zunehmend aufgeschlossen sind. Die Effektivitätsanalysen zu den laufenden Projekten im Rahmen integrierter Versorgungsangebote sind äußerst positiv. Die Aufnahme telematisch gestützter Versorgungsangebote in den Leistungskatalog der Regelversorgung ist derzeit jedoch noch Zukunftsmusik
Ebenso visionär für die Regelversorgung ist der von Prof. Dr. Gräser an der Universität Bremen entwickelte Roboterarm, der Tetraplegikern sowohl Szenarien des täglichen Lebens als auch Arbeitsplatzszenarien mit der Methode des Brain Computer Interface eigenständig ermöglicht. Die Forschungsarbeiten laufen noch und sollen es schwerst Lähmungserkrankten ermöglichen, 90 Minuten am Tag ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Alle ReferetInnen sind sich darin einig, dass an der technikgestützten Gesundheitsvor- und –fürsorge in der Zukunft kein Weg vorbeigeht. Sie kann ein fester Bestandteil der Regelversorgung werden, wenn die notwendigen Effektivitätsanalysen positiv ausfallen.


VERANSTALTUNGSHINWEIS

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ZTG auf der Rehacare 2008

:: Downloads

15. - 18. Oktober 2008
:: Düsseldorf

Veranstalter
Messe Düsseldorf, Deutsche Vereinigung für Rehabilitation (DVfR)
Art der Veranstaltung
Fachmesse und Kongress

Inhalt der Veranstaltung

Rehacare International, die internationale Fachmesse mit integriertem Kongressprogramm mit den Themenschwerpunkten Rehabilitation, Pflege, Prävention und Integration findet vom 15. - 18. Oktober in Düsseldorf statt. In diesem Jahr steht das Kongressprogramm unter dem Motto „Wohn(t)raum – Selbstbestimmtes Wohnen mit Service und Technik in allen Lebensphasen“.

Die ZTG GmbH wurde als Veranstaltungspate ausgewählt den Kongressteil „Rehabilitation und Pflege zu Hause: Technik für den Menschen“ am 16. Oktober 2008 zu gestalten und zu moderieren.

Im Rahmen dieses Kongressteils wird unter anderem Dr. Matthias Grün (Helios-Kliniken) von dem Telerehabilitationsprojekt Evocare berichten. In dem Evocare-Projekt erhalten teilnehmende Schlaganfallpatienten mit vorhandener Aphasie (mit Sprachstörungen) die Möglichkeit, im eigenen Heim eine neurolinguistische Therapiesoftware zu verwenden und die Daten an den behandelten Arzt zu senden. Der Arzt kann mit Hilfe dieser Information den weiteren Therapieablauf besser lenken, ohne dass der Patient durch zusätzliche Arztbesuche belastet wird. Auf den Bereich Telerehabilitation und Datenschutz wird der Datenschutzbeauftragte und Projektleiter im ZTG, Eric Wichterich, eingehen und berichten. Über weitere Programmhighlights halten wir Sie in den folgenden Newsletterausgaben auf dem Laufenden.

Anmeldung
Hier gelangen Sie direkt zur Website der Veranstaltung http://www.rehacare.de/
Downloads zur Veranstaltung

  REHACARE Kongress-Dokumentation,Vortragsreihe II

REHACAREKongress2008_TeilII_gesamt.pdf