Redakteur :: Annette Scholz
Große Chancen eröffne die Telematik insbesondere mit dem elektronischen Arztbrief und der Pflegedokumentation. Steffens lobte in diesem Kontext die Arbeit des Ärztlichen Beirates in Nordrhein-Westfalen, der aktuell ein Empfehlungsschreiben für den elektronischen Arztbrief erstellt hat. Die bisherigen Versuche, telematische Anwendungen zu etablieren, hätten kaum Akzeptanz gefunden, da sie die Anwender und Nutzer nicht mit einbezogen hätten. Dies müsse sich in Zukunft ändern. Sobald die Anwendungen aus Sicht der Ärzteschaft sowie insbesondere aus Sicht der Patientinnen und Patienten konzipiert werden, würden sie auch aktiv genutzt. Dies bewiesen diverse Piloten in Nordrhein-Westfalen, wie z. B. das Informationssystem Palliativcare in Bochum, welches Palliativärztinnen und -ärzten in Bochum, Hospiz-Pflegekräften, Apothekerinnen und Apothekern einen orts- und zeitunabhängigen Zugriff auf die aktuelle Verlaufsdokumentation ihrer schwerstkranken Patientinnen und Patienten ermöglicht.
Ein Umdenken vom technischen Aspekt zum Anwendernutzen müsse auch in der Diskussion um die elektronische Gesundheitskarte erfolgen. Hier gelte es, alle Menschen einzubeziehen und sie über die Vorteile der neuen Anwendungen und ihre Sicherheit aufzuklären. Insbesondere für die ältere Generation, für die der Umgang mit einer PIN zum Problem werden kann, müssten Lösungen und praktische Regelungen gefunden werden, damit auch sie von der neuen Technik profitieren können. Steffens bezeichnete die derzeitige Verwaltung und Kommunikation im Gesundheitswesen als größtenteils antiquiert. Beim Aufbau der Telematikinfrastruktur ginge es nun darum, den Nutzerinnen und Nutzern die Angst zu nehmen, dass ihr Aufwand durch den Einsatz neuer Techniken höher ist als der Nutzen. Ebenso müsse das Vertrauen in die Sicherheit und den Datenschutz gestärkt werden. Die neue Landesregierung Nordrhein-Westfalens werde, so Steffens, die Vorreiterrolle in der Telematik übernehmen.
„Mehr gute Medizin mit weniger Ressourcen“
Birgit Fischer, Vorstandsvorsitzende der BARMER GEK, schloss sich dem Standpunkt der Ministerin an. Auch die Krankenkassen hätten sich zum Ziel gesetzt, ihre telematischen Angebote auf den tatsächlichen Nutzen für Patientinnen und Patienten auszurichten. Das Potenzial der IT für die Gesundheitswirtschaft sei unbestritten. Es ginge aber nicht nur darum, technisch perfekte Produkte zu entwickeln, sondern das Knowhow aus Anwendersicht einzubringen. Der Nutzen werde ausschlaggebend für den Erfolg der Umsetzungsschritte sein.↵
Andreas Lange, Vorstandsvorsitzender des VHitG Verband der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen, erklärte das übergeordnete Ziel der Telematik: „Mehr gute Medi-zin mit weniger Ressourcen." Aus seiner Sicht werden Telemonitoring und telemedizinische Therapien, Steuerungselemente im Alltag (Ressourcenmanagement in Praxen) sowie die mobile Datenkommunikation einen hohen Stellenwert auf dem E-Health-Markt einnehmen. In welchem Maße diese Anwendungen in der Fläche genutzt werden, sei jedoch auch davon abhängig, welche Anreize seitens der Selbstverwaltung und Politik hierfür gesetzt werden. Solange Aufwand und Kosten einer elektronischen Datenkommunikation höher sind als die bisherige Papiervariante, könne sich kein Trend durchsetzen.
Die sich an den Eröffnungsakt anschließenden Fachforen stießen bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf reges Interesse und ließen Raum für intensive Diskussionen. Die Vorträge der einzelnen Foren werden in Kürze auf www.it-trends-medizin.de und www.ztg-nrw.de sowie auf www.egesundheit.nrw.de zum Download bereit stehen.
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