Gemeinsames, schrittweises Vorgehen in Europa?
Etablierung von einrichtungsübergreifenden EPA mit hohem Nutzen
Am 23. Oktober 2008 versammelten sich hochrangige Experten zum Themenfeld „Elektronischer Patientenakten und deren Entwicklungen im europäischen Kontext“ im Kongresszentrum der Dortmunder Westfalen Halle. Unter der Moderation durch Prof. Dr. Peter Haas von der FH Dortmund zeigten zunächst Dr. Kai Uwe Heitmann von der HL7 Benutzergruppe Deutschland e.V., Andreas Kassner, Integrating the Healthcare Enterprise IHE Deutschland und Bernd Blobel vom eHealth Computer Center am Klinikum in Regensburg aktuelle Standards auf, die im europäischen Kontext, aber auch weltweit, entwickelt und verwendet werden.
... landestypische Unterschiede in der Patientenversorgung...
Im weiteren Verlauf präsentierte Carsten Michels von IBM eindrucksvoll das dänische Gesundheitsportal sundhet.dk. In Dänemark sind bereits fast alle Hausärzte, sowie sämtliche Krankenhäuser und Apotheken an das Portal angeschlossen. Dänemark kann somit durchaus als ein Vorreiter in Sachen Vernetzung gesehen werden. Andererseits kann aufgrund der relativ geringen Bevölkerungszahl und der besonderen Struktur der Patientenversorgung im dänischen Gesundheitswesen kein direkter Vergleich zu den Anforderungen bevölkerungsreicherer europäischer Länder gezogen werden. So gibt es im dänischen Gesundheitssystem das flächendeckende Hausarztmodell bei dem der gewählte Hausarzt als Lotse in der Patientenversorgung fungiert.
Dr. Alexander Schanner von der ARGE ELGA präsentierte erste Erfahrungen der österreichischen elektronischen Gesundheitsakte (ELGA). Die ELGA wurde bereits 2005 gegründet und durch ein Gesundheitstelematik-Gesetz verankert. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde das Projekt der ELGA bereits 2006 weiter geführt. Die verwendeten Standards sind IHE, DICOM, HL7 und LOINC (Labordaten).
ZTG-Geschäftsführer Jürgen Sembritzki präsentierte das europäische large-scale Projekt epS.O.S., das von 12 Mitgliedstaaten repräsentiert wird, darunter Dänemark, Deutschland, Frankreich und Großbritannien, sowie die Niederlande, Italien und die Slowakei und weitere Länder.
Interoperabilität braucht einheitliche Qualitätssicherung
Die Vorträge warfen bei den insgesamt 50 Besuchern intensive Rückfragen und Diskussionen auf. Insbesondere stellte sich dabei heraus, dass ein Spannungsbogen zwischen dem Wunsch einer möglichst strukturierten Akte, sowie der Möglichkeit einer gleichzeitigen weitestgehend freien Texteingabe für die Ärzte existiert.
Sowohl die Experten als auch das Publikum sind sich einig, dass die Umsetzung der entwickelten und üblichen Standards IHE, HL7, CDA, DICOM ein schrittweises Vorgehen unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen erfordert. Als besondere Herausforderung diskutiert das Publikum bei der Einführung elektronischer Patientenakten die Berücksichtigung des Datenschutzes von Gesundheitsdaten. Dies gilt nach Meinung der Teilnehmer in besonderer Weise für sensible Patientendaten aus dem Bereich der Psychiatrie, da hier ein absolut vertrauenswürdiger Umgang mit Patientendaten zwingend notwendig ist, um dem Patienten helfen zu können. In diesem Zusammenhang berichtet Carsten Michels, dass in Dänemark die Fachärzte im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie größtenteils nicht an das Portal angeschlossen sind.
Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte Prof. Dr. Haas live das Projekt EPA.nrw, welches die geforderten Standards und Datenschutzstrukturen bereits heute stringent umsetzt. Damit konnte er demonstrieren, dass die Realisierung der geforderten Standards und Bestimmungen machbar ist.
Abschließend wurde von allen Experten der Tagung noch einmal gefordert, dass nur ein gemeinsamens schrittweises Vorgehen in Europa dazu führen kann, den Nutzen elektronischer Patientenakten für alle beteiligten Akteure optimal zu entfalten.
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23. Oktober 2008
10-17.30 Uhr
:: Best Western Hotel, Dortmund Westfalenhallen